Die Inszenierungen dieser Schein- und Parallelwelten mit ihrer
verführerischen Kraft, brechen über die Ästhetik der Wahrnehmung in die Realität der Zuschauenden
ein und korrumpieren sie.
Die von Regine Kuschke gemalten Porträts lassen junge, erwachsene Frauen auf ihren Bildern
vermuten. Doch der Schein trügt, sie sind nicht älter als sechs oder sieben. Das ist Teil der künstlerischen
Strategie, welche die implizite Wirkungsweise dieser Wettbewerbe überhöht und dadurch
das Prinzip verdeutlicht. Doch neben dieser explizit kritischen Intention gegenüber diesen
Veranstaltungen, die sich den Betrachtenden erst in der Reflexion über den Kontext eröffnet,
gibt es ein genuines Interesse an der Person dieser Kinder. Die Darstellung der Kinder im Porträt
transformiert sie vom Objekt innerhalb einer Inszenierung zum eigenständigen Subjekt mit
expliziter Bildwürdigkeit. Die Bilder zeigen die Mädchen, als wären sie schöne, junge Frauen, die
um ihrer Person willen interessant und anschauenswert sind und nehmen sie, allein durch die
gewählte Bildform, als Persönlichkeit ernst. Dadurch erhalten sie so etwas wie Würde, ohne das
Groteske und Ambivalente, wie die Frisuren, die Schminke, die Kleidung und den Schmuck, der
Situation zu verschleiern. Die Porträts setzen der ursprünglichen Aufladung als erotisches und
voyeuristisches Objekt durch erwachsende Begierden, einen anderen und genaueren Blick entgegen.
In einem pathetischen Sinne könnte man auch von einem Akt der Intervention mit künstlerischen
Mitteln, wenn auch nur im Bereich der Ästhetik, sprechen.
Stefan Pohl (Bildnisse, Regine Kuschke, Auszug)
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