Regine Kuschke



Vale Tudo

Der Faszination von Kämpfen können sich Menschen kaum entziehen. Sie berühren etwas sehr Grundlegendes in ihnen, nicht umsonst gilt der Kampf als zentrale Lebensmetapher. Soziales Miteinander schließt Gewalt immer schon ein, sie ist Teil der menschlichen Ordnung. Wenn sie so allgegenwärtig ist, muss sie auch ein Teil von uns selbst sein, unseres Verhaltens, Denkens und unserer Identität.

Regine Kuschke und Stefan Pohl haben Videos von Vale Tudo- und Freefightkämpfen aus dem Internet zum Ausgangsmaterial ihrer Arbeiten gemacht.

Beim Betrachten dieser Kämpfe wird deutlich, Gewalt findet nicht einfach so statt, sie ist eingebunden in rituelle Formen. Diese Riten sind Teil einer gesellschaftlichen Strategie der Verarbeitung von körperlicher Gewalt. Ein Fokus der Ausstellung gilt der medialen Inszenierungen der Männlichkeit. Männlichkeit als Identität ist eine Konstruktion, die gesellschaftlich bestimmt und vermittelt wird. Zur Vorstellung vom typisch Männlichen gehören Kraft, Macht, Gewalt und Kampf. In den Posen und Drohgebärden der Kämpfer äußert sich auch eine Form von Hysterie mit ausgeprägter Neigung zur Dramatisierung und einem übersteigerten Männlichkeitsbild.

Die Ausstellung lenkt den Blick auch auf die Befindlichkeiten der Kämpfer, den Schmerz, die Verletzung, die Angst, Aspekte welche die mediale Inszenierung ausblendet und von den Zuschauenden deshalb auch nicht wahrgenommen wird. Dieses Spannungsfeld zwischen Idealität und Realität will die Ausstellung sichtbar machen. Beide Aspekte werden gegeneinander gesetzt, um die Sprachlosigkeit und die Verdrängung zu markieren, die weite Teile solcher Inszenierungen begleitet. Die Ausstellung zeigt Videostills, Videocollagen und Texte.

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